Adiós, Magellan!

Veröffentlicht am 31. Januar 2023

Mehr als sechs Jahre lang bin ich ihm gefolgt: dem portugiesischen Ritter in spanischen Diensten und Heros der europäischen Seefahrt, Ferdinand Magellan, bin den Spuren nachgegangen, die er und seine verwegene Mannschaft in Archiven hinterlassen haben, bin lesend und recherchierend mit ihnen um die ganze Welt gereist. Früchte dieser Arbeit waren – nebst vielen Artikeln und Radio-Beiträgen – zwei Bücher, die offenbar beide ihre Leserinnen und Leser gefunden haben: die Monographie „Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde“, mittlerweile in 4. Auflage bei C.H. Beck Paperback erhältlich, und meine Neuübersetzung von Antonio Pigafettas legendärem Reisebericht, die erste vollständige und originalgetreue ins Deutsche. Unter dem Titel „Die erste Reise um die Welt. An Bord mit Magellan“ erschien sie 2020 bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und war kurz vor Weihnachten schon zum zweiten Mal vergriffen (ist aber inzwischen ebenfalls wieder bestellbar).

Das war es, was am Ende zählte: Karte von Maluku aus Antonio Pigafettas Reisebericht mit Gewürznelkenbaum.
Bild: Wikimedia Commons

Diese Geschichte zu erkunden und zu erzählen, war spannend, war lehrreich und hat vor allem mächtigen Spaß gemacht. Aber nach mehr als sechs Jahren ist es nun genug und an der Zeit, sich anderen Dingen zu widmen – oder um es mit einer Metapher aus dem (an Metaphern bekanntlich nicht armen) Reich der Seefahrt zu auszudrücken: Zeit ist es, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Wohin die Reise geht, wird noch nicht verraten, nur mit gebührender Rührung Abschied genommen:

¡Que tenga Ud. buen viaje, comendador!

(PS: Ihre Fragen zum Thema beantworte ich, soweit ich kann, natürlich weiterhin: Kontakt.)

In memoriam Heinz Erhardt

Veröffentlicht am 29. Dezember 2022

In unserer Reihe „Das humoristische Gelegenheitsgedicht“ präsentieren wir heute ein Stück, das der Gattung „Morgendliche Beinahe-Ergüsse“ zuzuordnen ist:

Ich lieg im Bett und muss aufs Klo.
Nun ist es aber leider so:
Das Klo ist weit.
Der Gang ist kalt.
So lieg ich schon geraume Zeit,
Riskiere einen Harnverhalt
Oder eine Überschwemmung, 
Weil von meinem Bett die Trennung
Mir so schrecklick schwere fällt.
Damit das Wehr noch weiter hält,
Erzähl ich mir ein paar Geschichten
Und übe mich derweil im – Dichten.

Das Mäusekrematorium

Veröffentlicht am 12. Dezember 2022

Nach dem 2. Hauptsatz der Thermokrisendynamik steigt im proportionalen Verhältnis zum Preis fossiler Energieträger die Zahl an Ratschlägen zu deren sparsamer Verwendung. Folglich waren die Medien in den vergangenen Wochen voll von Artikeln, die einem erklärten, wie man „richtig“ heize und „richtig“ lüfte, sodass ich mich schon gefragt habe, wie wir Zeitungs- und Internetleser früher durch die kalte Jahreszeit gekommen sind, ohne solche sicherlich gutgemeinten Belehrungen.

Das „Mäusekrematorium“, mit Kindersicherung und sicherem Kind.

Mich beschäftigt das Thema Heizen ja schon viel länger, als die aktuelle Energiekrise dauert, spätestens seit meine Frau und ich 2005 in ein schlecht isoliertes altes Haus am Lande gezogen sind. Über unsere Erfahrungen des ersten Winters schrieb ich damals einen kleinen Text, der – gedacht für den Hausgebrauch und als Beilage zur Familienchronik – bald in der Schublade verschwand. Wenn ich diesen mehr als 16 Jahre alten Text jetzt wieder hervorziehe und hier präsentiere, so geschieht das deshalb, weil ich selbst beim Wiederlesen überrascht war, wie viel von der aktuellen Krise bereits damals spürbar gewesen ist. Sogar der Oberschurke war schon derselbe …

Das Mäusekrematorium

Schein oder nicht Schein

Veröffentlicht am 15. November 2022

Dass der Schein trügt, der schöne zumal, wird ihm oft bescheinigt. Manchmal allerdings zu Unrecht. So hieß es früher vom Hundert-Mark-Schein, dieser Schein trüge niemals. Zynisch gesinnte Zeitgenossen sagten gar von diesem Schein, er trüge als einziger nicht. (Das war allerdings vor der Währungsreform. Ob Leute vom Hundert-Euro-Schein dasselbe sagen würden, erscheint mir zweifelhaft; jedenfalls ist mir diese Aussage noch nie zu Ohren gekommen.) Zudem soll der eine oder andere Heilige den Schein seiner Heiligkeit nicht ohne Berechtigung tragen. Es scheint daher, dass der Schein nicht immer trügt, sondern manchmal doch der Wirklichkeit genügt. In solchen Fällen scheint mithin der Schein nur zu trügen, oder anders gesagt: Anscheinend kann es mitunter sein, dass ein Schein nur scheinbar trügt.

Es scheint übrigens Menschen zu geben, die es nicht ertrügen, wenn jemand anstelle von „anscheinend“ das Wort „scheinbar“ gebrauchte. Zu diesen zähle ich nicht, denn ich ertrage diesen immer öfter aufscheinenden Gebrauch klaglos, obwohl mir die Preisgabe der unscheinbaren Unterscheidung von „anscheinend“ und „scheinbar“ keineswegs harmlos erscheint. Dass beide Wörter nicht dasselbe meinen, ist doch offensichtlich. Und wer Schein und Wirklichkeit nicht (mehr) unterscheiden kann, hat augenscheinlich ein Problem, und zwar nicht bloß ein scheinbares.

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